13.2.-31.3. 2013 | Carsten Lewerentz | Leer

Einige neue Bronzegüsse und der Rücktritt von Papst Benedikt dem XVI. gaben mir Anlass, das Atelierfenster zur Fastenzeit mit eigenen Arbeiten zum Thema `LEER' auszufüllen.

Leerstück II | 2013

Beinhaltet der Begriff `Leersein' in Gedanken nicht immer auch das `Gefülltsein'? Jedes leere Gefäß birgt die Möglichkeit, gefüllt zu werden, und somit ist `leer' auf Zukunft ausgerichtet. Eine Reihe von Gegensatzpaaren lösen Bewegung und Vorwärtsstreben aus, wie: Stille - Klang; Nähe - Ferne; Abneigung - Zuneigung; Passivität - Aktivität; Leben - Tod.

Etui-Etüde VIII

Etui-Etüde IX

Im Sinnen über all diese Gegensatzpaare ist das Pulsieren des Lebens und der Welt zu spüren wie beim Ein- und Ausatmen. In meinen Plastiken versuche ich, in der Darstellung von Leere für den Betrachter Gedanken und Möglichkeiten von Lebensfülle freizusetzen. Das Pulsieren zwischen Wenig und Viel in jedem Bereich des Lebens schafft diese Bewegung von Geburt bis zum Tod und darüber hinaus. Aushalten und Suchen von Leere kann, auch wenn sie als Stillstand erfahren wird, neue Bewegung ins Leben und in die Welt bringen.

Clean I | 2013

Ornamentale Symbole wie Sechsstern und Wirbelrosette zeugen seit Jahrhunderten von der Bewegung des Lebens im menschlichen Bewusstsein. In ihrer Universalität haben sie Gültigkeit außerhalb von Mode, Stil und Kunstauffassung. So wirken die leere geschnitzte Truhe und das Begräbniskreuz vielleicht als Fremdkörper in dieser Ausstellung, doch sie führen zusammen mit dem gezeigten `HL. STUHL' die universelle Weite des Themas vor Augen.

Hl. Stuhl

Begräbniskreuz | Eiche

Blick ins Atelierfenster



Sommer 2013 | Carsten Lewerentz | Gedanken-Strich

Diese Ausstellung mit neuen Plastiken von mir im Atelierfenster war einfach da - ohne Ankündigung, ohne Werbung, ohne Wahrnehmung in den Medien. Einige Besucher haben sie zufällig gesehen und ihre Freude an dem Gesehenen im Gästebuch festgehalten. Eine stille Ausstellung am Rand des Weges, welche wieder einmal die Frage nach der Nützlichkeit von Kunst in den Raum stellt, die nicht beworben, großgeredet, oder als Schmuck und Werbeträger für Kommune, Kirche, oder Wirtschaft benutzt wird.

Angeregt von einer Schriftstellerin, `gegen das Vergessen zu schreiben,' möchte ich nachträglich ein paar Worte und Fotos zu dieser Präsentation hier aufbewahren.

Die Titel der Ausstellungsstücke sind Worte, die ein Gedankenstrich verbindet, beziehungsweise teilt. Die Gedanken auf diesem Strich zwischen den Worten wandern zu lassen kann vielleicht eine Verbindung zur Sprache der Plastik schaffen. Auch wenn die gezeigten Figuren meist aus sehr persönlichem Hintergrund hervortreten, können sie sich auf dem Gedankenweg im Titel dem Betrachter nähern. Plastiken können sogar selbst zu diesem anregenden Pfad eines Gedankenstriches werden. In all diesen Titeln wie `SELBST-VERGESSEN,' `SELBST-LOS,' `CONTRA-PUNKT,' `ÜBER-FLUSS,' oder `GEDANKEN-STRICH' wandert unterschwellig auch die anfangs bemerkte Frage nach Nützlichkeit von Kunst in ihrer freien Form hin und her. Unzählige Bücher und Abhandlungen sind gefüllt mit Antworten, Analysen, historischer Wertschätzung, ..., doch wer mit Plastiken als Quelle für Gedanken und Empfindungen lebt, hat seine Antwort bereits gefunden.

Selbst-Vergessen | Bronze

Über-Fluss | Textilbeton

Selbst-Los | Bronze

Blick ins Atelierfenster



Advents- und Weihnachtszeit 2013 | verschiedene | Schale

Immer wieder setzen sich Handwerker und Bildende Künstler auch mit der Gestaltung von Schalen und Gefäßen auseinander. Dieses ursprüngliche Bedürfnis, die eigenen Hände zu vergrößern, um Speisen oder wertvolle Dinge aufzunehmen, zu sammeln und zu bewahren, steckt seit Anbeginn im Menschsein. So habe auch ich mich entschlossen, in dieser Adventszeit hölzerne Schalen zu drechseln, um der Form der Schale nachzuspüren. Somit schließt sich der Gedankenkreis zu meiner ersten Ausstellung `LEER' in diesem Jahr - die leere Schale, als Ausdruck von Erwartung und Offenheit. Auch meine neue Textilbetonplastik `ENTHÜLLUNG' kann als menschliches Äquivalent zur Schale gesehen werden und engel- oder madonnenhafte Assoziationen hervorrufen.

Zirbelkiefer

Zwetschgenholz

Eibenholz

Birkenholz

Neben meinen jetzt entstehenden gedrechselten Schalen aus lange gelagerten Edelhölzern zeigt die Ausstellung auch einige Beispiele anderer Künstler, die sich wie Irmgard Kurz-Minisini, Görge Hohlt, oder Florian Lechner sehr intensiv mit Schalen beschäftigt haben. Geschnitzte afrikanische und europäische Schalen der Volkskunst bis zur Designerschale von Carl Mertens rufen dazu, die Vielfalt von Herstellung und Gebrauch von Schalen in Erinnerung zu rufen.

Nussbaum | unbekannte Herkunft

Balance | Teeschalen | Carl Mertens

So möchte diese Ausstellung Wertschätzung und einen neuen Blick auf das Archaische von Schalen aller Art in unseren Haushalten zum Gebrauch oder als wertvolles Sammlerstück zur eigenen Freude fördern. Jede leere Schale mag frohe Erwartungen auf das Gefülltwerden mit Glück, Geschenken, Gesundheit und vielem mehr für die Weihnachtszeit und das kommende neue Jahr im Betrachter wecken.

Steinzeug | Görge Hohlt

 

Gipsschale

Zirbelkiefer

Blick ins Atelierfenster

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