7.3.-7.4. 2004 | 5 Jahre Atelierfenster | Im Spiegel der Kunst

`Irgendwie gefallen mir diese Skulpturen, aber ich weiß nicht recht, was es sein soll!' Das ist einer von unzähligen Einträgen aus dem Gästebuch des `Atelierfensters,' der beispielhaft ausdrückt, wie zeitgenössische Kunst berühren, anregen, verunsichern, aufregen, abstoßen, und nachdenklich machen kann. Der Bildhauer Carsten Lewerentz hat seit 1999 mit ca. 200 ausgewählten Werken von 30 Künstlern der Region in 35 kleinen Ausstellungen in Staudach die Möglichkeit der öffentlichen Begegnung mit zeitgenössischer Kunst geschaffen. Die zum 5-jährigen Bestehen dieses einmaligen Kunstschaufensters ausgestellten Zeitungsberichte und die vielen Gästebuchblätter halten Rückschau und spiegeln die Konfrontation mit Kunst wieder.

Das `kleinste Künstlerhaus Deutschlands' wie das Atelierfenster in einer Fachzeitschrift genannt und vorgestellt wurde, kann wie kaum eine andere Einrichtung Künstler und ihre Werke so individuell, frei, spontan und ungebunden auswählen und vorstellen, da keine Abhängigkeiten zu Werbeetats, Vereinen oder sonstigen Geldgebern bestehen. Die gesamten Kosten trägt der Initiator, abgesehen von anfänglicher Förderung seitens der Gemeinde und kleineren privaten Zuwendungen, um Berufskünstlern ein interessantes kostenloses Forum anzubieten. Eine Kosten-Nutzen-Rechnung über die Notwendigkeit, den Sinn oder den Gewinn von Kunst in so einer kleinen Gemeinde lässt sich freilich nicht aufstellen. Doch die regelmäßigen Besucher des Atelierfensters aus Staudach und der umliegenden Region dokumentieren, dass nicht nur für Lewerentz die Begegnung mit Kunst mehr `Lebensmittel' als `Luxus' ist. Durch die Internetpräsentationen der Ausstellungen steht das Atelierfenster sogar weltweit zur Besichtigung offen, was bereits von Besuchern aus Österreich, Polen, Russland, Holland, Spanien, Kanada und der Schweiz unter www.atelierfenster.com genutzt wurde. Bleibt zu hoffen, dass Lewerentz noch oft die Freude, Zeit und Mittel finden wird, um Kunstwerke nach Staudach zu holen, damit das Atelierfenster weiterhin lebendig bleibt, wie H. Hesse es einmal ausdrückte:

`Alles Lebendige ist ein Werden, nicht ein Sein. So ist auch das, was sie `Kultur' nennen nichts Fertiges und Abgeschlossenes, das man erben und pflegen oder das man wegwerfen und zerstören kann. Sondern es bleibt stets genauso viel von unserer Kultur lebendig und wirkt weiter, als die Generation sich zu eigen zu machen und lebendig zu machen versteht.' (H. Hesse)

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